Nachrichten

Stammtisch mit Marco Baldi

Am Montag dem 25. Januar 2016 fand der erste Stammtisch der Saison 2015/16 des Fanclubs ALBA-Tross statt. Eingeladen war ALBA Berlins Geschäftsführer Marco Baldi.

Bevor dieser jedoch angekommen war, unterhielt man sich hier und da mit anderen Fans. Obwohl man sich erst zwei Tage zuvor beim erfreulichen 102:73 Sieg gegen Würzburg (und dem damit verbundenen Einzug ins TOP4 in München) gesehen hatte, gab es natürlich schon wieder etwas Neues zu bereden.
Stammtisch_MBaldi
Nachdem vom Vorstand noch ein paar Worte an uns gerichtet wurden und uns beispielsweise die freudige Meldung über 300 Mitglieder im Fanclub überbracht und uns viel Spaß beim kommenden Gespräch gewünscht wurde, erschien Marco Baldi auch schon pünktlich, wie es ein CEO zu sein hat, in der Pool Lounge im Haus 13 auf dem Pfefferberg.

Im Folgenden möchte ich kurz auf einige der vielen angesprochenen Themen zurückkommen und schildern, was uns von Marco berichtet wurde.

Zu Beginn wurde auf das – nennen wir es mal katastrophale – Spiel in Braunschweig zurückgeblickt und nach den Gründen und die Sichtweise auf dieses Spiel gefragt. Marco machte deutlich, dass solche Spiele für alle Beteiligten natürlich äußerst unschön sind, aber zum Entwicklungsprozess einer Mannschaft leider auch mit dazugehören und man dies als Ansporn für noch kommende Spiele bzw. als Lerneffekt nutzen sollte und müsse.

Marco nutzte die Frage, um die ALBA Philosophie bei der Teamzusammenstellung noch einmal darzulegen. Ziel sei es das vorhandene Budget gezielt für junge und hungrige Spieler einzusetzen und diese weiterzuentwickeln und aufzubauen. Hierbei seien solche Ausrutscher nach unten wie gegen Braunschweig leider nie komplett vermeidbar. Aber nur weil andere Vereine zum Teil ein Vielfaches für ihre Spieler ausgeben, hieße das nicht zwangsläufig, dass diese Spieler auch um dieses Vielfache stärker sind. Man erkaufe sich mit diesen teuren Spielern aber natürlich ein stückweit eine Garantie auf Konstanz, da es sich hierbei zumeist um Spieler mit langjährigen Erfahrungen in verschiedensten Wettbewerben handelt und man daher von ihnen auch Mindestmaß an Leistung pro Spiel erwarte könne.

Hierüber kamen wir auf die verletzten Spieler Jordan Taylor und Niels Giffey zu sprechen, deren Verletzungen vermutlich noch 4-5 Wochen auskuriert werden müssen. Der als Ersatz verpflichtete Robert Lowery ist aber zum Glück sofort voll einsetzbar, da er die Saison bereits aktiv gespielt hat. Es handelt sich bei ihm zwar um keinen der ganz großen Namen in Europa, doch für ihn ist es eine Herausforderung und er hat sich bereits gut ins Team eingefügt. Robert will alles geben, um für und mit ALBA erfolgreich zu spielen. Marco outete sich bereits als großer Fan von Rob, aber man müsse Ende Februar schauen wie die Situation bei ALBA ist und ob der Vertrag verlängert werden kann.

Natürlich kam die Frage nach Cliff Hammonds auf, mit dem ALBA und gerade auch Marco wohl noch immer in Kontakt steht. Dieser entschied sich jedoch nach der Geburt seines fünften Kindes bei der Familie in den USA zu bleiben und so wurde jedes Angebot von ALBA oder anderen europäischen Vereinen unattraktiv für ihn. Er spielt nun in der D-League, wird jedoch eventuell noch diese Saison für ein anderes Team auflaufen. Der Kontakt besteht zumindest weiterhin zwischen ihm undALBA, alles Weitere für die nächste Saison bleibt abzuwarten.

Großes Thema war natürlich auch der aktuelle Streit zwischen der FIBA und der Euroleague, die wir mit Sorge mitverfolgen. Marco legte mit seinem Insiderwissen hier für uns noch einmal ausführlicher dar, wie dieser Streit entstand und was der aktuelle Stand ist.

Auslöser des Streits war die Idee der FIBA Nationalmannschaftsturniere nicht länger in der Sommerpause zu veranstalten, sondern bereits in der laufenden Saison. Hierfür müssten die mitspielenden Nationalspieler von den Vereinen natürlich in der Saison freigestellt werden, was zu Unmut auf Seiten der Vereine führt. Diese führten an, dass die Bezahlung der Spieler von den Vereinen erfolgt und diese somit auch über deren Einsatz entscheiden können. Zumal die Vereine zusätzlich auch das Risiko tragen, wenn sich die Spieler beim Einsatz für die Nationalmannschaften verletzen sollten und somit auch den Vereinen im weiteren Ligabetrieb nicht zur Verfügung stehen.

Nachdem sich daher die großen Vereine der Euroleague weigerten ihre Nationalspieler für solche Turniere freizustellen, entzog die FIBA kurzerhand der Euroleague das Recht für die Durchführung internationaler Wettbewerbe. Die großen Clubs der Euroleague entschieden daraufhin sich vom Dachverband FIBA zu lösen und die Euroleague als eigenständigen Wettbewerb ab nächster Saison zu führen. Finanziert wird dieses neue Euroleaguekonstrukt durch die 11 Gründungsvereine (Anadolu Efes Istanbul, CSKA Moscow, EA7 Emporio Armani Milan, FC Barcelona Lassa, Fenerbahce Istanbul, LaboralKutxa Vitoria Gasteiz, Maccabi FOX Tel Aviv, OlympiacosPiraeus, Panathinaikos Athens, Real Madrid und Zalgiris Kaunas), die gleichzeitig aber dadurch auch die Gewinne zum Großteil unter sich aufteilen. Neben diesen 11 Vereinen, wird es 5 weitere Startplätze in der Euroleague geben, so dass ab kommender Saison letztlich nur noch 16 statt bisher 24 Teams Euroleague spielen. Die letzten 5 Startplätze gehen an den Eurocup-Gewinner, den Gewinner des Qualifikationsturniers (mit 8 teilnehmenden Mannschaften) und 3 Plätze an Meister der einzelnen Verbände (vermutlich auf jeden Fall mit dem deutschen und dem französischen Meister). Darunter wird es weiterhin den Eurocup mit 24 teilnehmenden Mannschaften geben, der ab nächster Saison im bisherigen Format der Euroleague ausgespielt werden soll (Vorrunde = 4 Gruppen a 6 Teams, Zwischenrunde = 2 Gruppen a 8 Teams, danach KO-System).

Die FIBA wird als Konkurrenzprodukt weiterhin einen eigenen europäischen Wettbewerb anbieten (bisher FIBA Europe Cup), will diesen jetzt allerdings mit stärkeren Teams deutlich aufwerten. Gespielt werden soll ab nächster Saison mit vermutlich 4 Gruppen a 8 Teams mit gleich anschließenden Play-Offs. Eventuell wird auch noch ein Unterbau a la Eurocup installiert.

Dieser Streit zwischen FIBA und Euroleague führt nun dazu, dass beide Organisationen versuchen möglichst viele namhafte Clubs in ihren eigenen Wettbewerb zu locken und sich damit als Wettbewerb mit den besten Teams Europas brüsten zu können. Für welchen Wettbewerb sich ALBA letztlich entscheiden wird, steht derzeit noch nicht fest. Dies hängt davon ab, welcher der Wettbewerbe sich letztlich für ALBA sportlich und finanziell am vielversprechendsten herausstellen wird.

Eine weitere Eskalation des Streits schließt Marco leider nicht aus. Dies könnte im schlimmsten Fall sogar so weit führen, dass die FIBA allen Vereinen, die keine Nationalspieler für die von der FIBA durchgeführten Nationalmannschaftsturniere freistellt, das Recht auf Spielertransfers aberkennt. Dies ist dadurch möglich, dass die FIBA jedem Spieler, der zu einem europäischen Verein wechseln will, einen Spielerpass ausstellt und dieser Spieler erst dann für seinen neuen Verein spielberechtigt ist. Dies gilt auch für Spielerwechsel innerhalb Europas. Es bleibt also spannend, wie sich all dies weiterentwickelt und wird sicher noch länger Thema sein.

Es folgte eine Frage aus dem Publikum zur Verkleinerung der eigenen Liga und Marco Baldis Meinung dazu. Dieser sprach sich sehr dafür aus, da es die Liga stärker machen würde. Wenn sich die Liga als Ganzes entwickeln wolle, dann müssen höhere Standards für alle teilnehmenden Vereine gefordert werden. Es dürfe nicht länger finanziellen Unklarheiten bei den Vereinen geben. Ideal wäre natürlich, wenn 18 Teams diese dann höheren Standards problemlos erfüllen würden und die Liga damit wachse. Die Vergangenheit hat aber leider viel zu oft gezeigt, dass auch bei nur 16 statt 18 Teams vermutlich nicht alle Vereine die Standards erfüllen könnten.

Marcos Fazit zum Angebot Telekom Basketball fiel durchweg positiv aus. Er schätzt es als ein sehr gutes Format ein, das er selbst auch gerne und oftmals nutzt. Die Lizenzkosten, die die Telekom dafür an die Beko BBL abgeben muss, werden am Ende der Saison gleichmäßig an alleVereine verteilt.

Natürlich kamen wir auch auf das Top 4 in München zu sprechen, das nun ja auch in unseren Fokus rückt. Es wird ein Kontingent von knapp 500 Karten geben, die ALBA alle blockiert hat und uns nun zur Verfügung stellt. Die Frage, ob und wann Berlin sich noch einmal bewirbt, veranlasste Marco dazu kurz zu erläutern, wonach der Austragungsort vergeben wird. Letztlich entscheide wohl das Geld, denn der Teilnehmer, der am meisten Geld auf den Tisch lege, bekäme letztlich den Zuschlag. Jedes Team darf sich dabei jedoch nur alle 3 Jahre bewerben und so bleibt es abzuwarten, ob sich ALBA nächstes Jahr wieder als Gastgeber bewirbt.

So wurde sich auch auf den Pokalmodus bezogen, den Marco als solchen gut findet, da andere Formate im Grunde nicht mit dem Spielplan auch europäisch spielender Mannschaften realisierbar seien. Einzig das Verfahren, wie die Viertel- bzw. Halbfinalpartien ermittelt werden, kritisierte er. Seiner Meinung nach sollte es ein ganz normales „1. gegen 8.“ Prinzip, ähnlich den Playoffs geben und kein Los sollte darüber entscheiden, wer gegen wen antritt bzw. das Heimrecht hat.

Abschließend kann man sagen, dass es mal wieder ein sehr unterhaltsamer und vor allem auch aufschlussreicher Stammtisch war. Obgleich Marco am nächsten Morgenwieder früh raus musste, nahm er sich all die Zeit, die wir ihm abverlangten.

Vielen Dank an den ALBA-Tross für die Organisation und vielen Dank an Marco für seine Zeit.Ich hoffe sehr, dass wir bald wieder das Vergnügen eines Stammtisches haben werden.Und an alle, die nicht unter den gut 40 Anwesenden waren: kommt das nächste Mal vorbei, es lohnt sich! smiley

<< Juli 2017>> 
 Mo  Di  Mi  Do  Fr  Sa  So 
     12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31      

Nächste Auswärtsfahrten

No current events.